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Tag 51 - 77 | Asado, Mate und Cannabis - Willkommen in Uruguay!

Aktualisiert: Apr 16

Sonntag, 29.12.2019 bis Freitag, 24.01.2020 | Montevideo, Uruguay

Bewusst fliegen. Das mag eigenartig klingen. Aber als wir im Flieger von Barbados nach Montevideo sitzen, wird uns erst einmal bewusst, wie schnell man mit einem Flugzeug von A nach B kommt. Wir sind beide schon zuvor geflogen. Und das nicht gerade wenig, ohne dabei an die umweltlichen Auswirkungen zu denken. Im Gegenteil dazu haben wir eher manchmal noch gedacht, wie quälend lange man bei Langstreckenflügen doch im Sitzen verharren muss und warum der Flug nach z.B. 8 h nicht endlich bald vorbei ist. Sagen wir es so: nach 18 Tagen Atlantiküberquerung für ca. 5.000 km sind wir regelrecht erschrocken, als wir für die in etwa gleiche Strecke nach Montevideo nur 13 Stunden brauchen. In der Karibik ein- und in Uruguay wieder aussteigen. Samstag Nachmittag losfliegen. Sonntag Morgen ankommen. Ein Katzensprung. Der blanke Wahnsinn. Der Bildschirm am Vordersitz prognostiziert angenehme 26 Grad und leichte Bewölkung. Tatsächlich fühlen sich die ersten Meter auf südamerikanischen Boden recht warm, aber trocken an, anders als die feuchte Schwüle in der Karibik. Da sind wir nun. Für uns beide ist es das erste Mal in Südamerika. Es wartet eine uns völlig unbekannte Welt auf uns. Beginnend beim ersten Land, das wir hier bereisen: Uruguay. Für uns war Uruguay bisher ein schwarzer Fleck auf der Weltkarte. Erst als wir unsere Blicke in Vorbereitung auf die Reise über diverse Karten wandern ließen, haben wir dieses kleine Land erst richtig wahrgenommen. Was ist Uruguay eigentlich für ein Land?



Was wir bereits wissen, als wir aus dem Flieger steigen: ‌Auf einer Fläche von ca. 175.000 km² leben knapp 3,5 Mio. Menschen. Zwischen den großen Nachbarn Argentinien und Brasilien steht das zweitkleinste Land Südamerikas mit Selbstbewusstsein und wird als wohlhabende "Schweiz Südamerikas" bezeichnet. Uruguay gilt als progressives, wirtschaftlich stabilstes und sicherstes Land im Kontinent. ‌Die Währung ist der Uruguayische Peso (UYU), der zum Euro ungefähr im Verhältnis 42:1 steht (Stand: 01/20).

‌Die Hauptstadt ist Montevideo, in der sich alles zentriert. Fast die Hälfte aller in Uruguay lebenden Menschen wohnen in Montevideo, die einzige Großstadt im ganzen Land. Neben einigen Küstenstädte kommen nur weite Grasfluren, die überwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Deshalb wird das Land Uruguay von den Einheimischen liebevoll "Stadt mit großem Garten" genannt.


Ein bescheidenes Vorwissen also. Die empfohlene Reisezeit (Dezember bis Februar) passt schon einmal. Alles andere wird sich wie immer ergeben. Was sofort auffällt: niemand möchte unser Ausreiseticket sehen. Generell gibt es nach der erneuten Gepäckkontrolle kein Personal am Flughafen, um die Einreise zu kontrollieren. Kein Schalter, kein Stempel, keine Fragen, warum man ins Land reisen möchte. Aber eben auch kein Nachweis, wann wir im Land angekommen sind. Nach Nachfragen wissen wir, dass bei der Überprüfung des Reisepasses am Automaten das Einreisedatum im System eingespeichert wurde. Bei der Ausreise wird dann einfach das errechnete Ausreisedatum im System abgefragt. Wir erinnern uns an das verwirrende Gespräch mit der Frau im Reisebüro auf Barbados zurück, die der Meinung war, dass wir ohne Ausreiseticket nicht weit kommen. Merke: durch Uruguay kommen wir schon mal. Dafür haben wir jetzt auch 90 Tage Zeit. Wir nehmen den nächst besten Bus, der uns zum zentralen Bus-Terminal Tres Cruces in Montevideo bringt. Knapp 40 Minuten dauert die Fahrt. Hier funktioniert es ähnlich wie auf Barbados: möchte man rausgelassen werden, muss man auf sich aufmerksam machen. Wir merken erst, dass wir aussteigen möchten, als wir am Busterminal vorbei fahren. Jetzt oder nie, denken wir uns, denn der Busfahrer macht keine Anstalten anzuhalten. Wie sagt man auf Spanisch noch gleich "Bitte anhalten?" Egal, einfach mal dem Busfahrer auf die Pelle rücken. 2 Minuten später stehen wir mitten in einer Straße, eine Haltestelle ist nicht in Sicht. Die Busfahrer lassen einen scheinbar überall raus, wo man möchte. Also heißt es nun, zurück zum Bus Terminal laufen, um von dort ein Taxi zu nehmen. Das kommt uns schon nach wenigen Schritten entgegen. Ich frage nach, mächtig stolz, dass ich dem Taxifahrer eine Serviette mit einer Adresse vor die Nase halten und "Cuanta cuesta...?" fragen kann. (Danke an den Spanisch-Crashkurs an dieser Stelle!). Ich verstehe sogar die Antwort und staune nicht schlecht, als der Preis niedriger ist, als uns vorausgesagt wurde. Weniger als 100 Peso würde es kosten, das sind umgerechnet etwas mehr als 2 Euro. Wir steigen also ein und nach nicht einmal 10 Minuten wieder aus. Das Ziel: ein Hostel, in dem wir arbeiten werden. Unser erstes Workaway-Projekt wartet auf uns. In den letzten Tagen auf Barbados hatten wir auf der Plattform die ersten Projekte in Montevideo angeschrieben. Vor dem Flug hatte sich der Hostel-Besitzer gemeldet und uns die Adresse und Anfahrtanweisungen zum Hostel gegeben. Super praktisch, denn so brauchten wir uns nicht um eine Unterkunft kümmern.


Fotos: Ein Überblick über die gemütlichen Räumlichkeiten im Hostel, in dem wir für 4 Wochen bleiben dürfen.

In diesem Hostel werden wir die nächsten 4 Wochen für unsere Betten arbeiten und bekommen noch Frühstück kostenlos dazu. Das bedeutet, dass wir unsere Ausgaben auf ein Minimum reduzieren können. Nach der kostenintensiven Woche auf Barbados eine willkommene Abwechslung (auch wenn das Geld fließen möchte, wie wir gelernt haben). Bei www.workaway.info gibt es übrigens die verschiedensten Projekte, bei denen man für Kost&Logis unterkommen kann. D.h. man arbeitet eine bestimmte Anzahl an Stunden (für gewöhnlich 25 h pro Woche) und bekommt im Gegenzug ein Bett gestellt, manchmal auch Essen. Die meisten Projekte sind tatsächlich Hostels und Gartenarbeiten, aber es gibt auch individuelle Projekte, wie z.B. das Leben in autarken Gemeinschaften, Permakultur, Yoga-Zentren, der Bau von Erdhäusern, Brauereien, Haus-Sitting, etc. Für uns klingt es nach einer guten Gelegenheit, bewusst zu reisen, da wir mit lokalen Projekten an Orten in Berührung kommen, die wir als normale Touristen vielleicht nicht gefunden hätten. Wir können auf diese Weise hinter die Kulissen schauen und verschiedene Länder intensiver kennen lernen. Zumindest in der Theorie. Ob sich das bewahrheiten wird, wird sich auf unserer Reise noch zeigen. Hier im Hostel läuft es so ab: wir arbeiten in einem 4 Schichtsystem á 5 Stunden an 5 Tagen in der Woche. Die Schichten verteilen sich von 7:30 Uhr morgens (Frühstück & Check-Outs) bis 2:00 Uhr nachts (Nachtschicht und Late-Check-Ins). Dazwischen gibt es noch eine Putzschicht (von 11-16 Uhr) und eine Nachmittagsschicht von 16-21 Uhr für die Check-Ins. Während Lukas vom Fach ist, setzt bei mir eine leichte Aufregung ein. Ich habe Rezeptionen bisher immer nur von der Gastseite gesehen oder habe eher nach Städte-Infos gefragt anstatt danach gefragt zu werden. Auf die Buchungs-Software bin ich auch gespannt, immerhin bin ich nur Geoinformations-Programme gewohnt. Aber gut, auf Reisen bewegt man sich ja bekannterweise außerhalb seiner Komfortzone und wagt etwas Neues. Einfach machen, lautet unsere Devise.



Lena erklärt uns in den ersten Tagen alles, was wir wissen müssen...auch die Sache mit dem Marihuana.

Eine Art Vorstellungsgespräch gibt es nicht. Wir werden von Lena empfangen, einer anderen "Workawayerin", die zufällig auch aus Deutschland kommt. Lena erklärt uns in den ersten Tagen alles, was wir wissen müssen: die Aufgaben in den jeweiligen Schichten, die Software (die gar nicht so kompliziert ist, den Ablauf beim Check-In und Check-Out, klassische Willkommens-Informationen, häufig gestellte Fragen etc ... und die Sache mit dem Marihuana. Moment mal. Die was? "Oben auf dem Dach haben wir einige Marihuana-Pflanzen. Ich habe sie bisher immer gegossen, aber da ich bald weiter reise, wäre es toll, wenn es jemand von euch übernehmen könnte." Marihuana spielt in Uruguay eine ganz besondere Rolle, wie wir schnell merken. Denn Uruguay ist das erste Land, in dem Cannabis legalisiert wurde. Für die Einheimischen ist der Konsum, Kauf oder Anbau seit 2013 legal. Wie wir später lernen, gibt es trotzdem einige Auflagen. So funktioniert der erlaubte Umgang für die Einheimischen: Möchte man legalen Zugang zu Marihuana haben, registriert man sich offiziell und entscheidet sich für eine der drei Optionen: - der Anbau von Cannabis-Pflanzen, d.h. man darf bis zu 6 Pflanzen anpflanzen

- der Kauf von Marihuana in registrierten Shops, mit einer Obergrenze von 40 g pro Monat

- die Mitgliedschaft in einem Cannabis-Club, in denen man die gleiche Menge pro Monat konsumieren darf. Der Kauf und Besitz von Marihuana ist für Touristen untersagt. Als Ausnahme gilt jedoch mehr oder weniger offiziell, wenn es sich dabei um ein Geschenk handelt (wir mussten auch lachen, als wir das hörten). Es wird also schnell ersichtlich, dass die Verbote für Touristen nicht so ernst genommen werden.

Und so werden wir unverhofft zu Cannabis-Gärtnern von 6 zierlichen Pflänzchen, die auf dem Dach neben den Wäscheleinen gedeihen.


Generell riecht die Luft in Uruguay eher süßlich. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte Droge - was man auch riechen kann. Ständig hängt der typisch krautige Duft in der Luft, er wird quasi zum ständigen Begleiter, wohin man auch geht. Kaum verwunderlich also, dass es auch ein Cannabis-Museum gibt.

Dort wird sogar Liquid Cannabis verkauft, sogenanntes flüssiges Cannabis, das auf Basis von hochprozentigem Alkohol besteht und an einen grünen Smoothie erinnert. Es hat den typischen Cannabis-Geruch und wird von Liebhabern zu jeder Tageszeit getrunken - pur, auf Eis, in Milch oder in Bier. Die Hälfte einer kleinen 50 ml Flasche soll angeblich den gleichen Effekt wie ein Joint haben, jedoch länger anhalten. Wir haben es ausprobiert und finden: Es schmeckt, als hätte man Heu in klaren Schnaps getunkt. Es wirkt viel stärker und das über Stunden hinweg. Der Fokus wird fast schon manisch. Das Herz schlägt so stark, dass man Angst hat, es springt einem aus der Brust. Gleichzeitig spürt man das Blut durch den gesamten Körper pumpen. Uns persönlich ist diese Form zu krass und uns ist nach dieser Erfahrung bewusst geworden, dass solche Dinge in unserem aktuellen Leben keinen Platz haben. Wir können nach dieser Erfahrung nur mit Staunen anderen Hostel-Bewohnern dabei zusehen, wie sie die flüssige Form im Kaffee o.ä. genießen können. Na, wem's schmeckt...

Foto: Das Cannabis-Museum in Montevideo, das gleichzeitig auch ein Hostel ist.

Ansonsten verläuft das Hostel-Leben recht ruhig, was für uns die Gelegenheit bietet, die letzten Wochen vollständig auf uns wirken zu lassen. Wir arbeiten vor uns hin und verfallen in einen sehr entspannten Alltag. Die Uhren scheinen sich in Montevideo langsamer zu drehen (und nein, das liegt nicht am Konsum des grünen Krauts). Vielmehr liegt es an der sehr entspannten Mentalität der Menschen. Die Zeit in Montevideo fühlt sich an, als würde eine Glocke über der Stadt hängen, die auf Pause drückt. Unser Tagesablauf ist meistens gleich: unsere Schichten abarbeiten, mit den Gästen interagieren und in interessante Gespräche kommen, nichts tun, im Innenhof des Hostels entspannen, zur Ruhe kommen und in den Ferias einkaufen. Die Ferias erinnern an deutsche Wochenmärkte. Sie finden bis auf montags täglich an unterschiedlichen Orten statt. Hier werden Obst und Gemüse, Mehl&Co, Gewürze, Kosmetikwaren und und und angeboten, oft zu viel günstigeren Preise als in den Läden. Man fühlt sich wie in einem Supermarkt, da man wirklich alles auf den (zumindest großen) Märkten finden kann. Nur ist man draußen an der frischen Luft und hat die wohlig warme Sonne im Nacken (der schnell auch verbrennen kann). Preislich ist das Meiste (auch in den Restaurants) trotzdem mit europäischen Preisen vergleichbar.

Das "freieste" Land der Welt - Kein Wunder also, dass wir oft zu hören bekommen, Uruguay sei"ein sanfter Einstieg in den Kontinent".

Die Warnung, man soll in Südamerika kein rohes bzw. ungeschältes Obst oder Gemüse verzehren, scheint in Uruguay nicht zuzutreffen. Tomaten, Salate, Äpfel und Birnen, alles wird zwar gewaschen, aber kann einfach so gegessen werden. Auch das Leitungswasser kann getrunken werden. Kein Wunder also, dass wir oft zu hören bekommen, dass Uruguay "ein sanfter Einstieg in Südamerika" sei - hinsichtlich Lebensmittel, Sicherheit und Tiere kann man sich in diesem Land ziemlich frei bewegen.


Die Einheimischen bezeichnen Uruguay auch als "das freieste Land der Welt". Neben dem bereits erwähnten legalisierten Cannabis-Konsum liegt das auch an verschiedenen anderen Freiheiten: homosexuelle Handlungen sind schon seit 1934 keine Straftat mehr. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist seit 2013 erlaubt. Abtreibungen sind seit 2012 legalisiert. Uruguay zählt damit zu den liberalsten Ländern in ganz Lateinamerika.


Fotos: Sightseeing am Plaza de Independencia



In einer kostenlosen Stadtführung lernen wir außerdem (neben den oben genannten Informationen zum Cannabis):


Die Namensgebung Uruguays bzw. Montevideos

Uruguay heißt korrekt "Republica Oriental Del Uruguay" und bedeutet die "Republik östlich des Uruguay". Gemeint ist der Fluss Uruguay, der das Land im Westen von Argentinien trennt. Der Name Montevideo stammt aus der Zeit, als Siedler das Land per Schiff vom Atlantik her anfuhren. Sie zählten bei der Einfahrt in den Rio del Plata (der Fluss, der offiziell vor Montevideo in den Atlantik mündet) die Hügel von Ost nach West und merkten sich so, wo die Stadt lag. Der Name der Stadt setzt sich zusammen aus:


MONTE VI De Este a Oeste


Übersetzt bedeutet es: MONTE=Hügel/Berg; VI=römisch für Nr. 6; DE ESTE A OESTE=von Ost nach West. Die Stadt war also der 6. Hügel von Ost nach West. Ziemlich genial, wie wir finden!


Religion

Kirchen findet man in Uruguay eher wenige. Religion spielt in diesem Land keine vergleichsweise große Rolle, zumindest nicht im Zusammenhang mit dem Staat. Schon seit 1916 herrscht eine Trennung zwischen Kirche und Staat. Nur 38 % der Menschen sind römisch-katholisch, das ist die zweit niedrigste Quote in ganz Südamerika! 41 % der Bevölkerung sind Atheisten. Zum Vergleich: Im direkten Nachbarland Argentinien sind 66 % der Bevölkerung römisch-katholisch, der Höchstwert liegt mit 89 % in Paraguay.


Fotos: Eine der wenigen Kirchen, die man in Montevideo findet - die Catedral Metropolitana de Montevideo, die Hauptkirche der Katholiken in der Hauptstadt. Sie wurde 1790 erbaut und prägte bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jh. als höchstes Gebäude das Stadtbild.


Fußball

Die Einzige Religion, auf die sich hier laut Tour-Guide alle Menschen einigen, ist Fußball. ⚽️ Uruguay gewann im Jahr 1930 die ERSTE jemals ausgetragene FIFA Weltmeisterschaft, und das auch noch im eigenen Land. Darauf sind die Menschen immer noch sehr stolz. 1950 folgte der zweite WM-Titel und insgesamt 15 Mal gewann Uruguay die Copa America, ähnlich der Europameisterschaft. Zwinkernd erklärt uns der Tourguide, dass anhand der geringen Einwohnerzahl des Landes die Einwohner im weltweiten Ländervergleich die meisten WM Titel besitzen-


Mate-Tee

Mate ist das Nationalgetränk. Die Uruguayer trinken ihn zu jeder Tageszeit und bei jeder Gelegenheit. Hierbei handelt es sich um Grünen Tee (Yerba Mate), der in ein Gefäß namens Mate gefüllt wird (je nach Belieben 1/2 oder 3/4 voll). Getrunken wird mit einem Bambilla, einem silbernen Strohhalm. Sowohl den Becher als auch den Strohhalm gibt es in den unterschiedlichsten Ausfertigungen, Farben und Größen. Der Mate-Becher wird in der Ursprungsform aus dem Calabaza-Kürbis hergestellt. Moderne Materialien sind Glas, Holz, Plastik oder Silikon. Den Strohhalm besteht meist aus Alpaca-Metall (einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung mit hoher Korosionsbeständigkeit) oder Bambus. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.


In der einen Hand wird der Mate-Becher gehalten, in der anderen die mitgeführte Thermos-Kanne, meist unter dem Arm geklemmt. Manche haben auch richtige Mate-Taschen, in denen beides transportiert werden kann. Der Mate-Becher inkl. Tee wird immer wieder mit heißem Wasser gefüllt und gern auch in Gesellschaft reihum getrunken. Nach kurzer Zeit sind auch wir im Mate-Fieber!

Foto: Wir fühlen uns pudelwohl in Montevideo und werden Mate-Freunde!



Asado - die Liebe zum Fleisch und andere kulinarische Spezialitäten

Reist man durch Uruguay, kommt man an einer Sache nicht vorbei: Fleisch! Die Uruguayer lieben Fleisch, am liebsten auf offenem Feuer gegrillt und am liebsten meterlange Rippenstücke - das nennt man Asado! Fleisch ist hier genauso Kult wie Mate-Tee. Andere Fleisch-Klassiker sind das Milanesa, das an ein dünnes Schnitzel erinnert oder das Chivito, einem dick belegten Sandwich mit Fleisch, Schinken, Spiegelei, Salat und Tomate. Die klassische Beilage sind Pommes. Was uns am meisten überrascht hat: die uruguayische Küche ist auch durch die italienische geprägt - die Uruguayer lieben Pizza! (Mehr zu unseren kulinarischen Erfahrungen gibt's im baldigen Uruguay-Spezial-Beitrag)



Foto: Gruppenfoto der kostenlosen Stadtführung (Anbieter hier: Curiosofreetour, unter http://www.curiosofreetour.com.uy/)

Das Hostel-Leben gefällt uns. Wir genießen es sehr, so etwas wie einen Alltag zu haben. Die Arbeit fühlt sich nicht wie Arbeit an, vor allem, weil es nicht selten vorkommt, dass mehr Workawayer als Gäste im Hostel sind. Dadurch fühlt es sich zeitweise so an, als würden wir in einer großen WG wohnen, anstatt in einem Hostel zu arbeiten. Trotzdem gibt es auch genügend Phasen, in denen so gut wie alle Betten ausgebucht sind - jeden Tag lernt man neue Menschen kennen, die meisten von ihnen sind auf der gleichen Route durch Südamerika. Die einen kommen von Chile, und wollen weiter nach Brasilien, die anderen haben in Brasilien angefangen und wollen weiter nach Chile. So findet ein reger Austausch statt - es werden Reiseerfahrungen geteilt, über gemeinsam besuchte Orte geschwärmt, Reiserouten geändert und Freundschaften geschlossen. Wir zwei lernen viele tolle Menschen kennen, die uns in ihre Heimatstädte einladen. Beatriz und Rodrigo aus Brasilien, mit denen wir gesellige Mate-Runden haben und dank derer wir auf den Mate-Geschmack kommen, Marconi aus Costa Rica und seine Liebe zum grünen Kraut, Diego aus Australien, mit dem wir tiefsinnige Gespräche über Träume und Reisen haben und ganz besonders Fenix und Pièrre, zwei (unabhängig voneinander) Reisende aus Frankreich. Wir werden ein Viererpack für insgesamt 2 Wochen. Fenix ist ebenfalls über Workaway im Hostel gelandet, am gleichen Tag wie wir angekommen und zwei Tage vor uns weitergereist. Während Fenix schon eine Weile unterwegs ist und den Weg von Kolumbien nach Uruguay gekommen ist, steht Pierre wie wir noch recht am Anfang der Reise durch Südamerika. Fenix hat sich eine Auszeit von ihrer Ausbildung genommen. Beim Reisen möchte sie herausfinden, ob sie beruflich die richtige Entscheidung getroffen hat. Insgeheim träumt sie jedoch, eines Tages von ihren Zeichnungen und ihrer Musik leben zu können. Die Tage im Hostel werden oft von ihrem Gesang geprägt, der genauso oft zum Mitsingen einlädt. Fenix und ich verbringen manchmal Stunden damit, alte Lieder aus der Kindheit bei Youtube einzugeben und lauthals mitzusingen. Kennt ihr noch "I'm like a bird?" von Nelly Furtado oder "A thousand miles" von Vanessa Carlton?


Foto: Das Bezaubernde am Reisen sind die Menschen, denen man begegnet.

An einem Abend hören wir in geselliger Runde die Lieder aus unseren Kindheiten an. Reihum darf dabei jeder ein Lied anwerfen, das er früher besonders gern gehört hat. Da wir alle mehr oder weniger Kinder der 90er Jahre sind, werden alte Erinnerungen geteilt. Musik berührt. Musik verbindet. Singen macht frei. Wann hast du das letzte Mal ein Lied gehört, das etwas in dir ausgelöst hat? Freude, Liebe, Trauer? Hör dir doch mal wieder dein Lieblingslied oder ein Lied aus deiner Kindheit an und sing dazu. Trau dich, du wirst mit tollen Glücksgefühlen belohnt. ;)

Es wächst ganz langsam, am Anfang zart und leise, bis es irgendwann nicht mehr zu leugnen ist. Das Gefühl, dass man sich zwar an einem Ort wohlfühlt, aber dass es Zeit wird weiter zu ziehen.

Nach knapp 3 Wochen wird es auch für uns Zeit, so langsam wieder nach vorn zu schauen. Wo wollen wir als Nächstes hin? Die Küste entlang? Ins Landesinnere? Oder bleiben wir länger im Hostel? Wir verbringen einige Tage damit, die Workaway-Projekte für Uruguay zu scannen und die engere Auswahl anzuschreiben. Was uns bisher beim Reisen schon öfters aufgefallen ist: Wenn man länger an einem Ort bleibt, entwickelt sich ab einem bestimmten Punkt die Frage, ob man bleiben möchte oder nicht. Es wächst ganz langsam, am Anfang zart und leise, bis es irgendwann nicht mehr zu leugnen ist. Die Frage, ob man sich an einem Ort wohlfühlt und bleiben möchte, oder dass es Zeit wird weiter zu ziehen. Es sind eher kleine Dinge, die bei uns dazu führen, dass wir weiter möchten. Ins Herz geschlossene Gäste oder Workawayer, die gehen und neue, die kommen. Dinge im Hostel, die auf den zweiten Blick doch nicht so glatt laufen; Ecken, die auf den zweiten Blick doch nicht ganz so sauber sind. Mücken, die kaum noch Platz auf deiner Haut finden, weil sie sich schon großflächig an dir ausgetobt haben. Lustigerweise häufen sich solche Dinge, je mehr man bereit ist, weiter zu reisen. Man muss sie nur wahrnehmen. Wir freuen uns deshalb, als uns Jaime bei Workaway antwortet und beschließen kurzerhand, für 4 Wochen auf seiner Farm zu leben. Doch bis dahin bleiben uns noch einige Tage in Montevideo.

Es wird geklatscht, sobald die Sonne untergegangen ist.

Die verbringen wir gern mit den hosteleigenen Fahrrädern an der Rambla, einer über 20 km langen Straße, die teilweise an großen Grünflächen oder Stränden entlang führt. Vor allem am Playa Ramírez spielen die Leute oft Volleyball. Hier findet täglich auch etwas Magisches statt. Im roten Glanz, den die Sonne abends über das Wasser wirft, halten alle für einen Moment inne, um in die Hände zu klatschen.

Fotos: Magische Momente am Playa Ramírez



Am letzten Abend lassen wir uns eine weitere spektakuläre Sache nicht entgehen, die in Südamerika bekannt ist: der Beginn des Karnevals! In den nächsten 80 Tagen herrscht Ausnahmezustand in Montevideo. In Deutschland gehen wir dem Trubel für gewöhnlich aus dem Weg, hier schauen wir es uns jedoch an und lassen uns verzaubern:

Fotos: Der Eröffnungsabend zum Karneval in Montevideo



Montevideo ist für uns bunt, entspannt, tolerant, entschleunigend, grün, faszinierend, inspirierend - einfach bezaubernd! Von der Hauptstadt geht es für uns im nächsten Beitrag aufs Land. Wir werden für einen Monat auf einer Gaucho-Farm unterkommen. Es wird tierisch - bleibt gespannt!

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