• Losgelöst

Tag 2 | Entspannte Auszeit in Dijon

Aktualisiert: 15. Nov 2019

Sonntag | 10.11.2019

Wir sind gestern gut in Marsannay-la-Côte angekommen. Unsere Gastgeber Jean-Charles und Brigitte nehmen uns herzlich in ihrem Bed'n'Breakfast Les Chambres l'Hôtes auf und empfangen uns auf typisch französische Weise: mit Spezialitäten aus der Bourgogne, jambon perseillé (Schinkensülze), Baguette, Käse und Wein. Die Verständigung funktioniert trotz unserer mangelnden Französisch-Kenntnisse ganz gut mit Hand und Fuß, ein paar französische Worte hier, gemischt mit Englisch und Deutsch. Es ist sehr amüsant und liebevoll, bis wir uns in unser gemütlich eingerichtetes Zimmer zurückziehen.

Die erste Nacht auf Reisen ist immer etwas Besonderes. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen und so ganz glaubt man noch nicht daran, dass man vorerst nicht mehr nach Hause zurückkehrt. Trotzdem überkommt uns ein neues Gefühl der Dankbarkeit, in einem sauberen Bett in einem sicheren Umfeld schlafen zu dürfen. Vielleicht, weil wir noch nicht wissen, wo wir morgen schlafen werden. Welche Stadt wir als nächstes anzielen, wissen wir auch noch nicht. Vor Müdigkeit schieben wir die Fragen aber zur Seite und schlafen ein. Wir haben es ja selbst so gewählt. Wir finden einen Weg.

Beim Frühstück am zweiten Tag bekommen wir dann die Antwort auf unsere Fragen. Das neue Ziel steht fest, als wir die anderen Gäste kennen lernen: drei junge Damen aus Südkorea und Mexiko, die für Loreal Paris in Paris arbeiten und in Marsannay eine Auszeit vom stressigen Arbeitsleben suchen, schwärmen von Lyon. Lukas und ich schauen uns an und uns wird klar, dass wir später schauen, wie weit Lyon entfernt ist.


Wir reden zwei Stunden lang, u.a. übers Reisen. Sie sagen, wir leben ihren Traum. So gern würden sie auch so etwas machen wollen, aber die Arbeit ließe es nicht zu. Das haben wir schon oft gehört und immer antworten wir das gleiche: Jeder kann das machen. Jeder kann seinen eigenen Traum leben. Man muss nur anfangen, daran zu glauben und in die Gänge kommen. Auf diese Aussage werden wir meist nett belächelt.



Wir verbringen den Tag in Marsannay und in Dijon, spazieren durch Weinberge mit herbstlichen Rot-Gelb-Färbungen, schlendern durch den alten Stadtkern Dijons und verlieren uns in den kleinen Gassen. An der Notre Dame von Dijon bestaunen wir eine goldene Eulenfigur, die freudig von Touristen berührt wird. Wir widerstehen der Versuchung - das Glück wird auch so auf unserer Seite stehen, sagen wir uns zuversichtlich. In einem Café planen wir unseren nächsten Tag: wir suchen eine Unterkunft in Lyon und schreiben 10 Leute via Couchsurfing an.



Auf dem Heimweg begegnen wir Angélique, einer jungen Französin, die vor dem Triumphbogen Porte Guillaume Akkordeon "für ein bisschen Glück" spielt. Der Himmel ist grau, es regnet leicht. Die Musik berührt uns. Wir wollen sie festhalten.



Abends gibt's eine Weinprobe von Jean-Charles für uns. Mit Weinen aus der Region. Danach verwöhnt er uns mit Kabeljau und Fenchel und einer selbst gebackenen Apfeltarte. Unser Französisch wird um einige Worte reicher.


Danach gibt's noch ein Highlight: Marseille spielt gegen Dijon, wir schauen tatsächlich Fußball auf französisch. "Le carton rouge!" verstehen wir und wird zum Lieblingsausruf an diesem Abend. Stolz gehen wir schlafen.

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