• Losgelöst

Losgelöst-Fahrradtour durch Deutschland

Aktualisiert: Juni 18

Freitag, 12.06.2020


6 Uhr. Der Wecker klingelt. Ungläubig öffnen wir die Augen. War heute was? Geht es heute schon los? Muss ein Traum gewesen sein. Lieber noch einmal umdrehen. Aber halt, plötzlich sind wir hellwach - es geht heute wieder los. Unsere nächste Reise wartet auf uns.

Foto: Viel Ausrüstung nehmen wir nicht mit. Vieles kaufen wir gebraucht oder nutzen Dinge, die wir schon haben. Die Helme kaufen wir aus Sicherheitsgründen neu.

Schnell packen wir alles zusammen, frühstücken und bepacken unsere Fahrräder. Die letzten zwei Wochen haben wir auf diesen Tag hingearbeitet. Wir haben gebrauchte Fahrräder gekauft, gebrauchte Ausrüstüng, neue Helme. Wir wollen für die nächsten 2-3 Monate durch Deutschland radeln.


Wir sind keine Fahrrad-Profis. Eigentlich sind wir noch nie wirklich großartig Fahrrad gefahren. Wieder einmal wagen wir zwei Grünschnäbel etwas, was wir zuvor noch nie gemacht haben. Einfach mal losradeln, könnte ja gut werden.


Aber wozu das Ganze? Als wir am 18.4. mit dem Flieger auf deutschem Boden landeten, waren wir einerseits erleichtert, wieder bei unseren Familien zu sein. Andererseits waren wir traurig, unsere Weltreise abzubrechen, obwohl wir noch so viel vorhatten. Es war von heute auf morgen vorbei. Bis wir das wirklich verstanden hatten, vergingen einige Wochen. Für uns war aber klar: einfach so weiter machen wie zuvor funktioniert nicht. Wieder eine Wohnung und einen Job suchen, so wie wir es vor einem halben Jahr noch hatten? Lieber wollen wir die Weltreise auf angenehme Weise ausklingen lassen.

In Argentinien schmiedeten wir den Plan, mit Fahrrad und Zelt durch Chile zu reisen. Das Zelt hatten wir anderen Reisenden abgekauft. Die Fahrräder wollten wir uns später holen. Hier in Deutschland wollten wir an dieser Idee festhalten. Wenn wir nicht durch Südamerika radeln können, dann eben hier, wo es möglich ist. Durch Deutschland, um unsere Heimat neu zu entdecken und um verschiedene Städte zu besuchen. Denn wir brauchen eine neue Wahlheimat. Gleichzeitig können wir so nachhaltige Projekte besuchen, die die Welt ein wenig schöner und bunter machen - um uns zu inspirieren.

Denn nach einiger Recherche wissen wir: es gibt viele nachhaltige Ansätze in Deutschland. Man muss nicht durch die Welt reisen, um sie zu finden.


Auf diese Weise erhalten wir unseren Traum vom Reisen etwas länger am Leben, geben unserer Weltreise einen gebührenden Abschluss und tun gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt. Denn beim Radeln stoßen wir kein CO2 in die Luft. Denn unser Rückholflug nach Deutschland war gut für uns, aber mehr als schlecht für die Umwelt. 12 Tonnen CO2 wurden allein mit diesem Flug in die Luft geschleudert.


Ein Grund, weshalb wir uns auch dagegen entscheiden, wieder zurück nach Südamerika zu fliegen, sollte dies in absehbarer Zeit wieder möglich sein.


Deshalb erst einmal durch Deutschland. Wieder etwas Neues aufbauen. Von Vorn anfangen.



Foto: Moin Rostock!


12:00 Uhr kommen wir mit dem Zug in Rostock an. Hier beginnen wir unsere Losgelöst-Fahrradtour durch Deutschland.


Wir merken schnell, dass wir in eine uns bisher unbekannte Szene eindringen: wir werden von Fahrrad-Touristen gegrüßt und angesprochen. "Ich wollte nur mal schauen. Ist ja doch ne andere Technik bei euch! Wo geht's denn hin bei euch? Auch über den Ostsee-Radweg?" hören wir, als eine Frau unsere Fahrradtaschen mustert.


Wir radeln durch Rostock und kommen erstmals in den Genuss, eine neue Stadt ziemlich schnell auf dem Rad zu erkunden. Man kann direkt vom Bahnhof aus starten, der meist eh im Zentrum liegt, man kommt schneller von A nach B und kann die Stadt aus einem anderen Blickwinkel entdecken - mit dem Rad sieht man eben andere Orte als zu Fuß oder mit dem Auto.


Fotos: Wir erkunden Rostock mit dem Radl.


Was uns schnell auffällt: Rostock wirkt sehr grün, ohne dass es viele Park- und Grünanlagen gibt. Orte, an denen man ein wenig Natur genießen kann, indem man sich auf eine Wiese legt und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. 🌞


Dafür finden wir einen Outdoorladen und einen Unverpacktladen. Perfekt, um die letzten fehlenden Dinge zu kaufen: Isomatten und Lebensmittel für die ersten zwei Tage. Unsere Idee, um so plastikarm wie möglich zu reisen: wir füllen in Unverpacktläden unsere Lunchbox auf: oben Frühstück, unten Abendessen. Snacks gibts im selbst genähten Stoffbeutel.



Foto: Wir lieben Unverpacktläden! Sie stellen eine tolle Möglichkeit dar, plastikfreie Lebensmittel einzukaufen.


Das Tolle an dem Unverpacktladen Green Goldi in Rostock: wir pimpen unsere Haferflocken mit Kokoschips und unseren Couscous mit Rosinen auf! Um keine Gewürz-Packungen kaufen zu müssen, würzen wir beides direkt in der Box: heute Abend gibt es Couscous mit Curry und Rosmarin! Lecker! Um keine Plastikflaschen zu kaufen, benutzen wir unsere Trinkflaschen - Leitungswasser gibts fast überall.


Wenn ihr mal in Rostock seid, schaut unbedingt mal im Unverpacktladen Green Goldi von Nadja und Nina vorbei. Vielen lieben Dank für eure Unterstützung an dieser Stelle!


Fotos: Unsere plastikarme Verpflegung!



Wir sitzen am Wasser und auf Plätzen, genießen unser erstes Fischbrötchen, aber Parks zum Entspannen finden wir nicht. Das wird sich aber gleich ändern, denn auf uns wartet unser erstes Projekt, das wir auf der Reise besuchen wollen: drei grüne Oasen in Rostock!


Wir radeln keine 5 Minuten und sind schon am Ziel - ein Kleingartenverein mit dem Interkulturellen Garten und einer Wiese vom NAJU (Naturschutzjugend vom NABU).


Hier dürfen wir auch unser Nachtlager aufschlagen. Aufgrund der Unwettervorhersagen legen wir uns später vorsichtshalber unter ein Holzdach. Auf einer Feuerstelle kochen wir uns Wasser für unseren Couscous und einen Tee auf. Verfeinert wird das ganze mit Erbsenschoten, die wir uns im Garten pflücken dürfen.


Foto: Abendessen ist gleich fertig! Mit einem kleinen Holzkocher kochen wir Wasser auf. Dauert ein wenig, ist aber urgemütlich.


Morgen erfahren wir mehr über die drei Garten-Projekte und warum nicht sicher ist, ob sie bestehen bleiben dürfen.

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