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Mit Permakultur zu mehr Umweltbewusstsein



Wie schön ist die Vorstellung, die Tomaten zu ernten und zu genießen, die man zuvor mit eigenen Händen aufgezogen hat. Gärtnern wird immer beliebter, der Trend zur Selbstversorgung wird immer größer.


Während die einen Gartenarbeit lieben und im Unkrautzupfen einen meditativen Ausgleich zum Arbeitsalltag sehen, scheuen sich die anderen vor der aufwendigen Pflege, die ein Beet mit sich bringt.


Doch ist es möglich, Obst und Gemüse mit weniger Aufwand anzubauen?


Wir besuchen Alena & Christoph in der Nähe von Bremen und besprechen bei einem ausgedehnten Gartenrundgang die Vorzüge einer sogenannten Permakultur.



Aus welcher Idee ist das Projekt entstanden?

Alena und Christoph bauen seit März 2020 ihren Garten im Sinne der Permakultur. Davor hatten sie eine Wohnung mit Zugang zu einem kleinen Garten. Schon dort bauten sie in Hochbeeten ein wenig Gemüse an. Doch nachdem sie die Wohnung wechselten, suchten sie nach einer neuen Möglichkeit, ihre Gartenträume auszuleben.


Auf dem Grundstück von Alenas Eltern werden sie fündig. Eine Pferdeweide bietet genügend Platz für Beetflächen und Obstbäumchen und wird kurzerhand umfunktioniert.


Im Januar 2020 beginnt die Planung - die beiden lesen Bücher über Permakultur, überlegen sich ein Konzept und fangen zwei Monate später mit dem Bau an.



Was macht das Projekt so besonders?


Beim Bau der Beet-Elemente steht eine Frage an erster Stelle: Was ist bereits auf dem Grundstück oder der unmittelbaren Umgebung vorhanden und kann für den Garten genutzt werden?


Aus einer alten Scheune werden Mauersteine für eine Kräuterspirale wieder verwendet, alte Dachschindeln erstrahlen als Sonnenfalle zu neuem Leben und aus Estrich-Platten entstehen Hochbeete. So werden alte, ausrangierte Materialien für neue Dinge eingesetzt.


Die beiden haben keine mehrjährige Ausbildung in diesem Bereich gehabt. Stattdessen lesen die beiden viel in Büchern, holen sich die Inspiration in sozialen Medien oder überlegen unvoreingenommen, wie sie bestimmte Dinge bauen und umsetzen können. Ganz nach dem Motto: Einfach mal machen, könnte ja gut werden. Und wenn es schiefgeht, lernt man aus dem Schatz namens Erfahrung.


Die so entstandenen Gartenelemente sehen dabei sehr kunstvoll aus:

👉 Begonnen hat alles mit einer Totholzhecke. Dafür wurde altes Holz, das auf dem Grundstück zu finden war, aufeinander gestapelt. Sie dient als Windschutz für die angrenzenden Beetflächen aber auch gleichzeitig als Lebensraum für Insekten, Vögel und Säugetiere.




👉 Eine Kräuterschnecke wurde aus alten Klinkersteinen erbaut. Christoph hat am Fuß einen kleinen Teich angelegt - für ein besseres Mikroklima und der Durchfeuchtung der Erde.




👉 In die Höhe geht es auch bei den beiden Hochbeeten, die die beiden aus Holz und alten Estrichplatten gebaut haben. Sie können bequem im Stehen bearbeitet werden, ohne sich bücken zu müssen. Durch die Anbauhöhe erhofft man sich auch Schutz vor Schnecken und Wühlmäusen.





👉 Weiterhin gibt es eine Sonnenfalle aus alten Dachschindeln. Die bieten - zur Mauer aufgereiht - einen Windschutz für empfindliche Tomaten. Gleichzeitg speichern sie die Wärme sehr gut. Die Idee einer Sonnenfalle ist, die Sonne einzufangen, um sowohl Wind- als auch Wärmeschutz für empfindliche Pflanzen zu gewährleisten.





👉 Das Herzstück bildet aber eine Fläche, die sofort ins Auge springt: ein Schlüsselloch-Beet. Dabei ist die Fläche in Form eines Schlüssellochs angelegt und in mehrere Bereiche aufgeteilt. Den Eingang bildet ein Laubengang, bei dem Äste vertikal miteinander verbunden wurden und der so als spätere Rankhilfe für Gurken & Co dient.


Ist man im Zentrum der Fläche angekommen, hat man Zugang zu einzelnen Beet-Teilflächen, die kreisförmig angelegt sind. Der Sinn dahinter ist, dass man zu allen Beetflächen Zugang hat, ohne sich auf diese Stellen zu müssen. So wird der Boden nicht unnötig verdichtet.


Dieses Element steht noch am Anfang der Bauphase. Hierfür soll nach und nach die Grasnarbe entfernt werden, um die Beetflächen anzulegen. Aber schon jetzt kann man die Grundform eines Schlüssellochs erkennen.





👉 Ganz allein bewerkstelligen Alena und Christoph die ganze Arbeit nicht. Sie bekommen Hilfe von Sir Charleston und seine Damen - die Hühner beseitigen die Grasnarben, bevor eine neue Beetfläche entsteht.




Was macht das Projekt nachhaltig?

Warum aber Permakultur? Es ist das ganzheitliche Konzept, das Alena fasziniert. Hier geht es um mehr als nur ums Gärtnern. Sowohl der Mensch hat etwas vom Gärtnern in Form der Ernte, aber auch die Natur und letztendlich auch der Planet genießen die Vorteile der Permakultur - denn das sind die Prinzipien der Permakultur: earthcare, peoplecare, fairshare.


Denn anstatt Monokulturen, bei denen eine Sorte Pflanzen - unkrautfrei und in Reihen gepflanzt - das Beet kennzeichnet, setzt man bei der Permakultur auf Mischkulturen. Viele verschiedene Pflanzen werden nebeneinander gepflanzt, die sich gegenseitig fördern und fordern.


Es gibt kein Unkraut, sondern "Beikraut", das bewusst stehen gelassen wird. Denn auch das hat seinen Nutzen, so z.B. zur natürlichen Schädlingsbekämpfung oder zum Mulchen des Bodens.


So teilen sich Tomaten, Kohlrabi und Gurken ein Beet, ohne dass es dabei zu Einbußen bei den Erträgen kommt.


Mit der Permakultur werden Kreisläufe der Natur wahrgenommen, respektiert und nachgeahmt. Durch unterschiedliche Fruchtfolgen kann der Boden permament kultiviert werden, und das auf sehr umweltschonende Weise.


Dabei arbeitet Alena auch mit den benachbarten Landwirten zusammen - denn altes Stroh dient super als Bodenabdeckung.


Gleichzeitig ist Permakultur Design. Denn hinter jedem Beet steckt eine genaue Beobachtung der Natur - wie viel Sonne und Schatten hat man auf der Fläche zur Verfügung, welche Bodenverhältnisse herrschen vor und welche Materialien kann man recyceln? All das wird vorher erörtert und in Plänen aufgemalt.




Welche Ziele verfolgt das Projekt?

Alena und Christoph möchten sich mit ihrem Garten wenigstens zum Teil selbst versorgen. Denn somit können sie Obst, Gemüse und Eier direkt vor Ort ernten & verwerten und sogar mit anderen teilen anstatt solche Dinge mit langen Transportwegen zu konsumieren.


Sie möchten aber mehr: denn sie möchten zeigen, dass es gut ist, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und über den Tellerrand zu schauen. Sie wollen zeigen: es geht auch anders.


Denn auch Unkraut kann sinnvoll sein, genauso wie totes Holz. Und wenn man eine Wiese nur einmal im Jahr mäht, kann man sich an unzähligen Blütenschätzen erfreuen. Man muss es nur versuchen und offen für Neues sein - so kann man z.B. auch beweisen, dass Tomaten ohne Regendach wachsen können.

Gibt es Zuspruch oder Herausforderungen bei der Umsetzung? Wie ist die Resonanz?

Für viele ist der Garten à la Permakultur ein neuartiger Ansatz für die bekannte harte Gartenarbeit und gleichzeitig Inspiration, wenn auch einige anfangs skeptisch seien. Ein Beet mit "Unkraut" mag ein wenig unordentlich aussehen und sorgt für ein Jucken in den Fingern, es zu entfernen, aber wieso nicht einfach weniger kontrollieren und die Natur machen lassen? Das Experimentieren und das eigene Sammeln von Erfahrung gibt einem auch die Freiheit, Fehler zu machen. Denn es geht nicht darum, alles perfekt zu machen oder Wettbewerbsgedanken zu pflanzen. Es geht darum, achtsam mit der Natur im Einklang zu gärtnern und einen individuellen Beitrag zur Artenvielfalt und zum Naturschutz zu leisten.




Worauf sind die beiden besonders stolz?

Die beiden sind auf ihren Garten als Ganzes stolz. Innerhalb von drei Monaten haben sie 5 Beete gebaut und eine Totholzhecke angelegt. Daran sieht man: es braucht nicht unendlich viel Zeit, um so etwas zu schaffen.


Mit einem solchen Garten schafft man eine Fläche, für die man verantwortlich ist. Das wiederum stärkt das Selbstbewusstsein. Außerdem wird die eigene Kreativität gefördert, weil man die Freiheit hat, Dinge anders anzugehen.


Tipps für Menschen, die so etwas auch machen möchten?


Alena und Christoph empfehlen, einfach anzufangen und auszuprobieren. Jeder hat Vorlieben und auf die sollte man achten. Denn es soll auch Spaß machen.


Unbedingt sollte man schauen, was man bereits hat und dementsprechend mit diesen Materialien handeln. Das trifft auf ausrangierte Dinge genauso gut wie auf Boden- und Lichtverhältnisse zu. Letztere sollte man kennen und akzeptieren, dass bestimmte Pflanzen nur auf bestimmten Böden gedeihen.


Man soll also nicht andere Gärten kopieren, sondern offen sein, was auf dem eigenen Boden wächst und was nicht, und dementsprechend individuell seine eigenen Erfahrungen machen.


Gleichzeitig ist es auch wichtig, den Grund zu kennen, warum man bestimmte Elemente baut. Ein Mehrzweck sollte dabei gegeben sein - z.B. eine Totholzhecke, die Lebensraum bietet und einen Beitrag zur Artenvielfalt leistet und gleichzeitg als Windschutz dient.


Für den Einstieg empfiehlt Alena folgendes Buch: Gärtnern im Biotop mit Mensch (Kleber).


Welche Wünsche haben die beiden für die Zukunft?

Alena und Christoph habe noch viel vor: ein eigener Komposthaufen ist geplant, genauso wie ein Wasserauffangsystem, um Wasser zu sammeln und für trockene Zeiten auf Vorrat zu halten. Später soll noch ein Gewächshaus folgen, am liebsten mit Wachteln, die den Boden bearbeiten und düngen und auch noch Eier liefern.


Träume können nie groß genug sein und die beiden stehen auch erst noch am Anfang.




Ihr möchtet die beiden bei ihrer Reise begleiten? Folgt Alena & Christoph auf Instagram: @permarama


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